Krebserkrankungen

Bei Krebserkrankungen wird zwischen erworbenen und erblichen, auch hereditär genannt, Krebserkrankungen unterschieden. Die meisten Krebserkrankungen treten als Einzelfall auf und werden nicht vererbt. Oft führt das Zusammenspiel von mehreren ungünstigen Umweltfaktoren und genetischen Faktoren zur Krankheitsentstehung.


Wenn allerdings bei einer Person bzw. in einer Familie zahlreiche Tumorerkrankungen aufgetreten sind und/oder eine Person sehr früh an einem Tumor erkrankt, kann eine erbliche Krebserkrankung vorliegen.  Das Risiko zu erkranken, kann dank der Genommedizin sehr viel besser erkannt und gezielter gegengesteuert werden. Auch die Behandlung von Krebs ist durch die Genommedizin revolutioniert worden. Die Kenntnisse eröffnen neue und individuelle Behandlungsansätze. Das Wissen ist von Bedeutung bei Erstdiagnose der Erkrankung, besonders für Menschen, deren Krebs Metastasen (räumlich getrennte, gleichartige Tochtergeschwülste) gebildet hat oder wiedergekommen ist und ebenso für zukünftige Generationen und Angehörige.

Das bringt Genommedizin aus ärztlicher Sicht

  • bei erworbenen Krebserkrankungen

Professor Dr. Stefan Fröhling, Geschäftsführender Direktor, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Seit die individuellen Eigenschaften bösartiger Tumoren bei der Behandlung der Betroffenen berücksichtigt werden, hat sich die Krebsmedizin grundlegend gewandelt. Insbesondere die Kenntnis der für eine Krebserkrankung verantwortlichen erworbenen und erblichen genetischen Faktoren ermöglicht eine ‚personalisierte‘ Auswahl der richtigen Therapie zum richtigen Zeitpunkt.
Professor Dr. Stefan Fröhling, Geschäftsführender Direktor, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Professor Dr. Nisar Malek, Ärztl. Direktor, Innere Medizin I, Universitätsklinikum Tübingen
Mittlerweile werden bei praktisch allen fortgeschrittenen Krebserkrankungen genomische Untersuchungen für individuelle Therapieangebote genutzt, insbesondere wenn die Standardoptionen ausgeschöpft sind. Die Zentren für personalisierte Medizin, die sich im Deutschen Netzwerk für personalisierte Medizin (DNPM) zusammengeschlossen haben, bieten hier ein bundesweit zugängliches und qualitätsgesichertes Versorgungsangebot. Schon jetzt wird an den Zentren auch der Einsatz molekularer und genomischer Informationen für andere Krankheitsbilder erprobt.
Professor Dr. Nisar Malek, Ärztl. Direktor, Innere Medizin I, Universitätsklinikum Tübingen

Personalisierte Medizin

Personalisiert, zielgerichtet, individualisiert oder maßgeschneidert: So werden moderne Krebstherapien beschrieben.

Grundlage der maßgeschneiderten Krebstherapie sind neue diagnostische Methoden wie die molekular-genetische Untersuchung von Tumorgewebe oder Blut. Bei vielen Tumorerkrankungen, wie z. B. Brustkrebs, Darmkrebs oder Lungenkrebs, sind schon zahlreiche Strukturen auf den Krebszellen bekannt, die sich gezielt angreifen lassen. Dies unterscheidet diese neue Art der Therapie auch von den bekannten Behandlungen wie Chemotherapie. Bei der Chemotherapie werden eher unspezifisch alle schnell wachsenden Zellen im Körper angegriffen, nicht nur Krebszellen. Daher werden auch gesunde Zellen (z. B. Haare, Schleimhaut) geschädigt.

Zielgerichtete Therapien wirken vor allem gegen Moleküle der Tumorzelle, die eine zentrale Rolle beim Tumorwachstum spielen. Durch dieses zielgenaue Eingreifen in die Prozesse der Krebsentwicklung verspricht man sich eine bessere Wirkung auf die Krankheit und geringere Nebenwirkungen auf gesunde Körperzellen (z. B. weniger oder kein Haarverlust). Das heißt jedoch nicht, dass moderne Krebstherapien ohne unerwünschte Wirkungen sind. Ein weiterer Vorteil der maßgeschneiderten Therapie ist, dass nur die Patientinnen und Patienten eine Behandlung bekommen, bei denen sie hilft und weniger Patientinnen und Patienten eine unwirksame Behandlung erhalten.

  • bei erblichen Krebserkrankungen

Professor Dr. Rita Schmutzler, Direktorin, Deutsches Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Universitätsklinikum Köln
Für rund 30 bis 50 Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind vererbte genetische Risikofaktoren zumindest mitverantwortlich. Die erfolgreiche Einführung einer auf der klinischen Anwendung basierenden Gendiagnostik konnte im Deutschen Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs bereits belegt werden. Hierbei gehen die Suche nach neuen Risikogenen, die darauf basierende Risikoermittlung und die risikoadaptierten Präventionsmaßnahmen Hand in Hand. Die Etablierung von genomDE bietet die einmalige Chance, die verbliebene unerklärte Erblichkeit des Brust- und Eierstockkrebs aufzudecken und dieses Wissen unmittelbar zum Nutzen der Betroffenen in die Klinik einzuführen.
Professor Dr. Rita Schmutzler, Direktorin, Deutsches Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Universitätsklinikum Köln

Wie kann ich mein persönliches Risiko einschätzen?

Zufällige und erbliche Krebserkrankungen in der Familie lassen sich unterscheiden. Bestätigt sich eine familiäre Belastung, kann über eine verbesserte Vorsorge Krebs früher erkannt, besser geheilt oder bestenfalls vermieden werden.

Sie möchten herausfinden, ob es bei Ihnen oder in der Familie Anhaltspunkte für eine familiäre Belastung gibt? Hierfür gibt es verschiedene Checklisten, die Sie sich näher anschauen können:

Kurzer Selbsttest OnkoRisk Net:
https://onkorisknet.degagee.de/projekt/fuer-patienten/kurzer-selbsttest

Ausführliche Checkliste zum erblichen Brust- und Eierstockkrebs (Link fehlt s. Datei, die auf der Seite von OnkoZert eingestellt ist:
https://www.onkoze

Ausführliche Checkliste zum erblichen Darmkrebs:
https://www.brca-netzwerk.de/familiaere-krebserkrankungen/darmkrebs/checkliste

 

Wenn Sie eine Klärung möchten oder Sie sich Sorgen machen, kann eine ausführliche Beratung hilfreich sein. Hier wird geklärt, ob eine genetische Untersuchung sinnvoll ist, welche genau und bei welchem Familienmitglied zuerst. Ein solcher Gentest kann Klarheit schaffen.

Sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin an und bitten um Weiterleitung an eine Fachärzt:in für Humangenetik bzw. an ein entsprechendes Zentrum, das sich auf familiäre und erbliche Krebserkrankungen spezialisiert hat.